Rinnkendlsteig – Erfahrungen als unerfahrene Kletterer am schwarzen Klettersteig!

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Rinnkendlsteig – nur für erfahrene Kletterer!

Der Rinnkendlsteig führt von der St. Bartholomä Kirche bis nach Kühroint. Landschaftlich ist es einer der tollsten Wanderwege am Königssee. Moment mal, der Rinnkendlsteig ist ja gar kein Wanderweg, sondern ein Klettersteig.. mehr dazu später. Was man sich aber nicht vorstellen kann ist, dass dieser Klettersteig uns das Leben hätte kosten können. Wir sind weder erfahrene Kletterer, noch sonderlich sportlich unterwegs. Von der Archenkanzel aus hatten wir aber den Plan, zur St. Bartholomä Kirche zu laufen. MapsMe hat uns diesen Weg vorgeschlagen und wir sind ihm ganz brav gefolgt. Dass dies ein schwarzer Klettersteig ist, haben wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst. Selbstverständlich war dies auch auf den Schildern erkennbar, jedoch haben wir darauf leider keine Acht gegeben bzw. wussten wir einfach nicht über die verschiedenen Kennzeichnungen Bescheid.

Schwierigkeitsgrade der Wanderwege in Berchtesgaden

Die Wanderwege in Berchtesgaden sind gut ausgeschildert und haben immer einen Punkt hinter ihrem Namen. Dieser zeigt den Wanderern bzw. Kletterern den Schwierigkeitsgrad des Wanderwegs auf. Folgende Kennzeichnungen gibt es:

  • Gelber Punkt = Talweg: Geringe Steigung und breiter Weg, keine besonderen Kenntnisse sind notwendig
  • Blauer Punkt = leichter Bergweg: etwas anspruchsvoller durch die Steigung, aber keine besonderen Kenntnisse notwendig
  • Roter Punkt = mittelschwerer Bergweg: Wege sind schmal und die Steigung ist vorhanden, es können Passagen dabei sein mit Absturzgefahr, hier ist Vorsicht geboten
  • Schwarzer Punkt: schwerer Bergweg: Zu diesen Wegen gehört der Rinnkendlsteig. Diese Wege sind schmal, steil und haben eine hohe Absturzgefahr. Sie sollten nur von erfahrenen, trittsicheren und schwindelfreien Kletterern bezwungen werden. Bitte halte dich von diesen Wegen fern, wenn du keine Erfahrungen hast!

Unsere Erfahrungen mit dem Rinnkendlsteig als unerfahrene Kletterer

Wie schon oben beschrieben haben wir keinerlei Erfahrungen im Klettern. Nun sind wir aber schon den Weg nach unten gegangen. Wir haben uns auch schon gewundert, warum der Weg so steil war, aber nichts Besonderes dabei gedacht, denn die Wege waren eben manchmal nicht so leicht passierbar. “Wir sind halt in den Bergen” haben wir uns gedacht.

Umgefallene Bäume am Rinnkendlsteig zwischen Archenkanzel und St. Bartholomä

Nun gut, nach ca. 200 Metern, die es wirklich steil hinab ging, hing plötzlich ein Metallseil an der Steinwand und darunter waren nur Felsen. “Muss man sich DARAN festhalten?” – Ja, das muss man. Ich war nervlich total am Ende, mir kamen die Tränen aus Angst und ich konnte mich kaum bewegen. “Ich soll hier runter? Das schaffe ich nicht!” waren meine Gedanken. Meine ausgesprochenen Gedanken. Valentin hat mich nur angeschaut und gesagt “Wir haben jetzt keine Wahl!”. Ja, irgendwie hat das auch gestimmt. Der Weg nach oben wäre auch ziemlich hart gewesen und dann noch 5 Stunden zurück zum Königssee? Das hätten wir wohl nicht geschafft. Somit mussten wir unsere volle Konzentration diesem Weg widmen. Einen Schritt vor den anderen. Ganz langsam.

Todesangst am Rinnkendlsteig

Meine Gefühle spielten erst völlig verrückt bei einem Blick nach unten. Ein falscher Tritt und wir sind tot. Das war’s. Kann man sich das überhaupt vorstellen? Im Nachhinein wird mir immer noch schlecht, wenn ich darüber nachdenke. Es hätte alles vorbei sein können. Das Schlimmste waren die Momente, in denen ein Steinchen nach unten gefallen ist. Und gefallen. Und gefallen. Bis es ganz unten aufgekommen ist, sind mehrere Sekunden (für mich schon fast Minuten) verstrichen. Zum Glück waren wir zu zweit unterwegs. Valentin hat mir weiterhin gut zugeredet, obwohl er natürlich selbst auch Angst hatte. Das hätte uns das Leben kosten können!

Rinnkendlsteig - Blick auf den schwarzen Klettersteig

Das Wichtigste beim Klettern

Uns kamen viele Kletterer entgegen, mit professioneller Ausrüstung und fast immer einem Lächeln auf den Lippen. Die hatten wohl wirklich Spaß. Mir war nicht zum Lachen zumute. Ich wollte nur noch runter von diesem riesigen, unbezwingbaren Berg. Und es war klar: ein Zurück gibt es nicht! Somit haben wir die Tipps der Leute angenommen, die uns entgegenkamen. Langsam! Hauptsache langsam und konzentriert. Keine schnellen und unüberlegten Bewegungen. Jeder Schritt muss gut bedacht werden. Nicht nach unten schauen, denn dann kommt die Angst und die Arme und Beine beginnen zu zittern. Nicht an die Höhe denken. Das klingt erst einmal nicht so schwer, aber in dieser Situation war es alles andere als das. Trotzdem bringt einen das Adrenalin dazu, nichts anderes zu tun als man soll. Voller Konzentration jeden Schritt ganz genau wählen.

Schwarzer Klettersteig im Berchtesgadener Land

Eine gute Ausrüstung

Was vor allem mir das Leben gerettet hat, waren meine Wanderschuhe*. Als ich an den anderen Tagen mit meinen normalen Sneakern unterwegs war, habe ich erstmal gemerkt, wie krass dieser Unterschied ist. Wenn du also eine solche Wander- bzw. Klettertour in Berchtesgaden machst solltest du auf gutes Schuhwerk achten. Wichtig ist, dass die Wanderschuhe über die Knöchel gehen, dadurch geben sie dir einen viel besseren Halt. Außerdem ist eine Regenjacke* ein absolutes Muss, denn das Wetter ist sehr wechselhaft! Was man beim Zelten außerdem noch für eine Ausrüstung braucht, erfährst du in unserer Packliste zum Zelten!

Im Wald angekommen

Das untere Stück führte noch durch einen Wald. Die Wege waren nicht immer befestigt, aber es war nicht mehr tödlich. Es hat sich dann schon fast angefühlt, wie ein Spaziergang. Wir waren einfach nur heilfroh, endlich die schwierigen Passagen überwunden zu haben.

Endlich am Ufer des Königssees

Nach dem “ewigen” Spaziergang durch den Wald haben wir das Ufer erreicht. Unsere Kräfte haben uns komplett verlassen und wir haben uns erstmal aufs Gras gesetzt und aufs Ufer geblickt. Außer Atem und todmüde haben wir einfach nur die Stille genossen. Eine Langzeitbelichtung mit unserer geliebten Kamera* durfte da natürlich nicht fehlen!

Langzeitbelichtung vom Königssee Ufer bei der St. Bartholomä Kirche

Schifffahrt von St. Bartholomä zum Königssee

Das erste Mal mit dem berühmten Elektroboot den wunderschönen Königssee überqueren – das haben wir uns anders vorgestellt! Wir sind eingestiegen und beide vor Erschöpfung direkt eingeschlafen. Einmal blinzeln und wir waren schon da. Nun mussten wir nur noch zu unserem Campingplatz. Diese 15 Minuten Gehweg haben sich angefühlt wie eine Ewigkeit. Duschen, Essen, Schlafen und Ende dieses abenteuerlichen Tagesausflugs.

Fazit zum Rinnkendlsteig aus Erfahrung als unerfahrene Kletterer

Tut uns den gefallen und informiert euch vorher gut über die Wege, die ihr gehen möchtet. Wir hoffen jetzt, keine blöden Kommentare darüber zu bekommen, dass man dies vorher wissen muss. Jeder macht Fehler und das war einer, der uns das Leben hätte kosten können. Mit diesem Beitrag möchten wir auf die Gefahren und den besseren Umgang mit solchen Wegen und Klettersteigen hinweisen.

Der Königssee hat selbstverständlich noch viele leichtere Wanderwege zu bieten. Außerdem gibt es Almen, den höchsten Wasserfall Deutschlands und andere schöne Sehenswürdigkeiten. Hier findest du weitere Wanderwege & Sehenswürdigkeiten am Königssee.

Dieser Beitrag wurde zuletzt am 20. August 2019 um 13:01 aktualisiert.

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2 Kommentare zu „Rinnkendlsteig – Erfahrungen als unerfahrene Kletterer am schwarzen Klettersteig!“

  1. Hmmm, was soll ich da sagen? Ihr habt ja schon geschrieben, dass Ihr keine ‘blöden Kommentare’ lesen wollt. Dennoch ist es mir immer wieder unbegreiflich, mit welcher Naivität Flachlandtouristen (sorry) in die Berge gehen. Der Rinnkendlsteig ist jetzt eigentlich nicht sooo schwer. Vorausgesetzt man hat die nötige Bergerfahrung. MapsMe kenne ich nicht. Aber wie kann man blind einer App folgen? Ich vermute mal, dass das Kartenmaterial auf openstreetmap beruht. Dort sind (leider) noch viel schwierigere ‘Wege’ eingezeichnet. So zum Beispiel die Watzmannüberschreitung und sogar die Durchquerung der Watzmann Ostwand auf dem Kederbacherweg und dem Berchtesgadener Weg. Wohlgemerkt: Die Ostwand ist gute 2.000 Meter hoch und hat seit der Erstbesteigung im Jahr 1881 mittlerweile mehr als 100 Todesopfer gefordert.

    1. Hallo Günter,

      wir sind keine Flachlandtouristen, denn wir wohnen in der schönen Rhön und sind Berge gewohnt. Leider wussten wir in dem Moment des Abstiegs vom Rinnkendlsteig nicht über den Schwierigkeitsgrad des Weges bescheid, was selbstverständlich unser eigenes Verschulden war. Es war Müdigkeit, Erschöpfung und eine zu voreilige Handlung diesen Weg zu wählen, was uns natürlich bewusst ist.

      Mit diesem Beitrag möchten wir aber andere Menschen auf die Gefahren in den Bergen hinweisen. Vielen Dank nochmal für die Informationen, die noch einmal klar verdeutlichen, wie wichtig dieser Hinweis von unserer Seite ist.

      Liebe Grüße,
      Valentin & Jasmin

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